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Empfehlung / Buchtipp
Droste, Wiglaf: Im Sparadies der Friseure
Eine kleine Sprachkritik
Wiglaf Droste ist bösartig und dennoch oder gerade deswegen unterhaltsam. In seinem neuesten Buch, eine Art Handbuch der deutschen Sprachvergewaltigung und Sinnentleerung, untersucht er den Zusammenhang von Wortgestaltung und inhaltlichem Zerwürfnis. Meisterhaft und ohne einen dudenschen Zeigefinger analysiert und fabuliert Droste die Innereien aus unseren Umgebungsworten... [cs]
(Auszug)
Neben dem Kontoauszugsdrucker der Sparkasse hing ein Plakat, das ein »Sparadies« anpries. Sparadies? Ja, unübersehbar und gleich mehrfach verhieß man mir: das Sparadies. Lüge, Betrug, Heuchelei und Nepp sind ja immer in ausreichender Menge und Vielfalt vorhanden und im Angebot. »Sparadies« jedoch hat die Ausstrahlung einer unerwünschten Zugabe: 25 Jahre Kundendasein bei der Sparkasse lehrten mich, dass ich bei diesem Anbieter jeden Service am Automaten selbst erledige und dafür dann Gebühren zahle. So sieht das Sparadies aus, das Sparadies auf Erden.
Kopfschüttelnd verließ ich das Geldinstitut und raufte mein Resthaar – das, wie ich feststellte, lang und wallend zu werden drohte, als sei ich ein Jugendlicher, oder, noch bedauernswerter, ein Operettenkünstler. Die Matte muss ab! Die kommt runter! Du gehst zum Putzer!, beschloss ich barsch und machte mich daran, einen Friseurladen aufzusuchen. Ich fand auch gleich einen; er hieß aber »Hair Force One«. Ungläubig las ich das, »Hair Force One« – und floh, Blitzeis im Genick. Ich bin schließlich kein amerikanischer Präsident und möchte auch keiner mehr werden.
Englische Broschur, 144 Seiten
12,- Euro, 22,- SFr.
ISBN: 978-3-89320-132-7
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