Samstag, 19. Mai 2012
DVD-Tipp Dezember 2011

Sylvain Chomet „L‘Illusionniste“

Paris in den späten 50er Jahren. Tatischeff ist ein Illusionist der alten Schule. Er zaubert Kaninchen aus dem Hut, Münzen aus Nase und Ohren und auch diverse andere Tricks gehören zu seinem Repertoire. Doch leider hat niemand mehr Interesse an seinen Kunststücken, eine neue Zeit ist angebrochen, die des Rock´n´Roll und des technischen Fortschritts, für althergebrachte Varieté Unterhaltung gibt es kein Publikum. Tatischeff fehlt es an Auftrittsmöglichkeiten und den damit verbundenen Gagen, kurzum er begibt sich auf eine Tournee, die ihn aus Paris über London bis hin zu einer kleinen schottischen Insel führt. Hier ist das Leben noch langsamer und auch er wirkt mit seinen etwas antiquierten Illusionen fast so als hätte er sich und sein Publikum wiedergefunden. Als er die Insel wieder verlässt folgt ihm ein junges Mädchen, dass der festen Überzeugung ist er könne wirklich zaubern. So scheint es für sie selbstverständlich von ihm ein neues Kleid und einen Mantel „gezaubert“ zu bekommen und natürlich fühlt er sich geschmeichelt und inszeniert bei jedem Kleidungsstück dessen erscheinen. Doch er weiß, dass die Zeit der beiden miteinander begrenzt ist ...

Sylvain Chomets „L‘Illusionniste“ ist vor allem eine Hommage an Jacques Tati dessen Monsieur Hulot auch Tatischeff das unverwechselbare Aussehen mit Trenchcoat und Schirm verleiht. Auch das Drehbuch fußt auf einem kurzen Script Tatis von ca. 30 Seiten, das er 1959 schrieb und seiner Tochter widmete. Chomet hat diesen Text nun für seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm adaptiert und einen sehr dichten atmosphärischen Film geschaffen der wie sein Vorgänger „Les triplettes de Belleville“ fast ohne Dialog auskommt und seine Geschichte mit wunderbar schrulligen Charakteren erzählt, die in einer schon fast nostalgisch zu nennenden, liebevoll animierten Welt agieren. [cs]

Frankreich/Großbritannien 2009 | Länge: 90 Minuten |  Produktion: Sally Chomet, Bob Last | Regie: Sylvain Chomet | Buch: Sylvain Chomet | Buchvorlage: Jacques Tati (Originaldrehbuch) | Musik: Sylvain Chomet | Auszeichnungen: Europäischer Filmpreis 2010 | Bester Animationsfilm: Sylvain Chomet

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