Samstag, 19. Mai 2012
DVD-Tipp Juni 2011

„Der König tanzt“ (OT: LE ROI DANSE)

Die Kamera gleitet über den Boden und fängt zwei unruhig auf und ab gehende Füße ein, dann einen wütend auf den Boden hämmernden Taktstock, der nach wenigen Schlägen einen der Füße durchbohrt. Dem,  infolge der schweren Fußverletzung, von Wundbrand befallenen Bein Jean-Baptiste Lullys droht die Amputation, und während der Verletzte halb betäubt vom Fieberwahn dahindämmert, laufen vor seinem inneren Auge die letzten 34Jahre seines Lebens ab: 21 Jahre war er alt, als der damals 14-jährige Ludwig sein Talent erkannte. Getrieben von der Idee seinen König zu verzücken entwickelt er ein Tanztheater, das ausschließlich dazu dient vom Ruhme seines Herrschers zu künden. Ludwig, selbst ein hervorragender Tänzer, tanzt fortan die Titelrollen in nahezu all diesen Balletten.

Doch die Zeit vergeht und mit seiner Regentschaft schwindet auch bei Ludwig das Interesse an den schönen Künsten. Lully ist den höfischen Intrigen ausgesetzt angeführt von seinem musikalischen Konkurrenten Cambert dessen ehemalige Verlobte Madeleine das Bett des bisexuellen Lully teilt. Obwohl er im Inneren beseelt von der tiefen Liebe zu seinem König ist, zeigt dieser nur noch wenig Interesse und letzten Endes wird Lully das Opfer seiner abgöttischen Liebe... als Ludwig nicht zur eigens für ihn komponierten Oper „Te deum“ erscheint passiert aus Nervosität auch der unsägliche Unfall mit dem Taktstock der seinem Leben ein Ende setzt.

Ein bildgewaltiger Film der vor allem auch durch die gut besetzten Rollen besticht. Eine Sehenswerte Hommage an eine Zeit der Oppulenz und Missgunst.

Verleih: Helkon | Video: Columbia TriStar Home | Länge: 115 Minuten | FSK: ab 12 | Produktion: Dominique Janne, Werner Koenig | Regie: Gérard Corbiau | Buchvorlage: Philippe Beaussant (Roman „Lully ou le musicien du soleil“) | Kamera: Gérard Simon | Musik: Jean-Baptiste Lully | Schnitt: Ludo Troch, Philippe Ravoet | Darsteller: Benoît Magimel (Ludwig XIV.), Boris Terral (Lully), Tcheky Karyo (Molière), Colette Emmanuelle (Königin Anna), Cécile Bois (Madeleine)

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