Samstag, 19. Mai 2012
Der Eierwurf zu Halle
Kunst im Öffentlichen Raum / am 10.5. von 11 bis 17 Uhr auf dem Markt
Der Eierwurf zu Halle - ein temporäres Denkmal zum 20.Jahrestag

KF_Eierwurf-postkarteei.jpgZwanzig Jahre ist es her, dass die Stadt Halle mit einer ungewöhnlichen Geschichte eine überregionale Bekanntheit erlangte. Nachdem der damalige deutsche Bundeskanzler, Helmut Kohl, im Rahmen einer Rede zur Deutschen Einheit im Oktober 1990, den Ostdeutschen „blühende Landschaften“ versprochen hatte, sahen viele der Menschen im Osten weit und breit nur Abbau und Arbeitslosigkeit. Am 10. Mai 1991 standen die Menschen dicht gedrängt auf dem Halleschen Markt, um den Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, sprechen zu hören. Während seiner Rede kam es zum Tumult zwischen Zuhörern und Helmut Kohl. Der Grund waren einige Unzufriedene, die sich Gehör verschaffen wollten, die mit Eiern und Tomaten nach Helmut Kohl warfen - und auch trafen. Daraufhin konnte Helmut Kohl nur noch von seinen eigenen Sicherheitsleuten zurückgehalten werden. Trotzdem kam es zu einem Handgemenge zwischen Kanzler und Demonstrierenden. Diese Bilder aus Halle an der Saale der Nachwendezeit gingen um die Welt und sind heute noch in den Medien präsent. Diesem auf seine Art historisch-relevanten Tag der jüngeren Stadtgeschichte, wird auf dem Markt am 10. Mai 2011 ein Denkmal gesetzt. Auf einer 100qm großen Fläche richtet die Künstlerin Simone Schicke eine Messstation, die exemplarisch das spontane Aktionspotential der halleschen Bevölkerung und einzelner Personen misst. Das Ganze hat für die Teilnehmenden einen kreativen, sportlichen und kommunikativen Charakter. Die Kunstaktion zielt nicht darauf ab, eine bestimmte Person oder einen aktuellen gesellschaftlichen Zustand als Zielscheibe zu präsentieren. Es ist eine gewaltfreie Aktion, die eine nonverbale Kritik noch weiter transformiert: die Wandlung in einen kreativen Akt. Am Tag der Kunstaktion werden die Messergebnisse gesammelt und anschließend werden die Ergebnisse in einer Ausstellung präsentiert. Eine vergebene Nummer ermöglicht den Beteiligten ihr persönliches Messergebnis dort abzuholen. Das Geschehen am 10.Mai 1991 steht für die Künstlerin Simone Schicke im direkten Zusammenhang zu den Bürgerbewegungen, die in die Wende mündeten.

Interessant und spannend ist für sie auch der Widerhall, den dieses Erlebnis auch heute noch bei einer Vielzahl von Zeitzeugen auslöst. Diese Erfahrung hat die Hallenserin in vielen Gesprächen mit Hallensern gemacht. Da das Werfen mit Lebensmitteln gängige subversive Praxis ist, möchte Schicke auf diese Weise dieser Form der Kritik eine Plattform bieten.

Die Ausstellung findet vom 12. bis 26. Mai in der Leipziger Straße 33 statt. Öffnungszeiten der Ausstellung sind Dienstag bis Donnerstag von 12 Uhr bis 17 Uhr und am Samstag von 14 Uhr bis 17 Uhr. [mg]

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