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Deutschstunde fuer Alphabetisierte Teil 2 |
Realität löst Geruchswahrnehmung aus
Der Sommer zeigte sich in den letzten Wochen mal wieder von seiner widerlichsten Seite: Regen und Wind zur Einen und der schwülwarmen von saalekreisgedünkten Luft auf der Anderen. Da weiß der treue Hallenser gar nicht, was man weniger möchte, den Gestank oder das Saalemansfeld Volk in der eigenen Stadt? Naja, seit der verlorenen WM, der Weiterführung der Twilight Sage und der Ernennung von Christian Wulff als neuer Bundespräsident ist sowieso alles egal. Warum ist in Berlin nie Hochwasser?
Da lob ich mir das Steuerbüro auf der gegenüberliegenden Seite meines Hauses, geschmacklos eingerichtete Büros, mit schlecht angezogenen Menschen und Null-Euro-Fielmann-Brillen, da gewinnt die Ikeawerbung ganz neue Bedeutung: Arbeitest du noch oder bist du schon auf deinem Dorf. Da fehlen nur noch der tiefergelegte BMW und das obligatorische SK-Nummerschild.
Unsere Stadt sieht im Sommer immer besonders liebreizend aus, die Biergärten laden zum abendlichen Prolldichein, unsere Oberbürgermeisterin trägt kurze Kleider, der Müll an den vielen erfrischenden Badeplätzen beginnt zu leben und der alljährliche Gastro Cup war wieder eine anmutsvolle Bereicherung für alle Hobbyspanner und Sonntagsalkoholiker, begeistert war ich vor allem durch die tolle Organisation, dem gedrängten bauchfreiem T-Shirt der 80 Kilofrau und vom gebräunten Fleisch der miserabel tätowierten, mit chinesischen Zeichen versteht sich von selbst, Anabolikafraktion.
Jedoch sollte man nicht alles schlecht reden, der Sommer sät auch positive Früchte, wie das lange ausharren in den vielen Grünflächen, die knappen Röcke der neuen Studentinnen und die für mich größte Offenbarung der Stadt: die 24h Edeka in der LuWu. Das Konzept dieses Einkaufsparadieses zur Mitternachtsstunde blüht in grünbraunen Farben und verleitet das erst Bier sofort auf der Straße zu trinken, vorausgesetzt man hat es geschafft, an der pöbelnden Ghettojugend vorbeizukommen.
Leider gibt es in dieser Ausgabe nur einen kurzen Buchhinweis: Hermann Hesses „Narziß und Goldmund“. Und warum? Weil dieses Buch schlicht und einfach schön ist und nichts, absolut gar nichts, mit unserer Stadt zu tun hat. Damit schmeckt selbst der Wein in der überfüllten Kleinen Ulrichstraße, wenn mir mein Tischnachbar mal wieder erzählt, wie prächtig der letzte Abend im Pascha und Flower Power war. Glaubt mir, dieser Roman hat nichts damit zu tun. [kf]
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