Samstag, 19. Mai 2012
Dr Dicks Surfmusic History Teil 4
Shanty Town - Dr. Dicks „Surfmusic“ History Teil 4
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Das nächste Stilelement von Surfist das Double-picking. Dieser Doppelschlag mit dem Plektrum, der für den Surfsound seit DICK DALE so charakteristisch geworden ist, widerspricht im Grunde vollkommen der üblichen Art und Weise, wie die Gitarre in der Rock- und Popmusik eingesetzt wurden und werden. Das Double-picking verunmöglicht jeglichen seelenvollen Kitsch, sondern zwingt dem Gitarrenspiel, ob das der Gitarrist nun will oder nicht, eine unsentimentale Spielweise auf, die eher artistisch als künstlerisch zu nennen ist. Damit ist auch die Surfmusik meilenweit von den Verschmelzungsphantasien der Hippies entfernt.
Es war das „goldene Zeitalter“ des Kapitalismus, wie es Eric Hobsbawm genannt hat. Die Mittelklasse-Teenager, die den überwiegenden Teil der Surf- und Surfmusik-Szene stellten, konnten in eine blühende Zukunft blicken.
Symbol dieser gesellschaftlichen Aufbruchsphase war der Ende 1960 gewählte Präsident John F. Kennedy, der wie kein anderer für eine Integration der Jugend in das neue Massenkonsummodell des Nachkriegskapitalismus stand. Vorbei waren die Zeiten, als in den 50er Jahren die Zeichen noch durchgängig auf Sturm gestanden hatten. Damals war die amerikanische Öffentlichkeit permanent am Rand der Hysterie entlang getaumelt. Jeden Augenblick war mit dem Ausbruch eines atomaren 3. Weltkrieges gerechnet worden. Und dieser außenpolitischen Paranoia entsprach innenpolitisch die völlig lächerliche Furcht vor einer groß angelegten kommunistischen Verschwörung, die amerikanische Werte untergrabe. Flankiert war dies dann noch von einer rebellischen Jugend geworden, als deren Symbolfiguren James Dean und der frühe Elvis angesehen werden können. Doch die Aggressivität des „rebels without a cause“ James Dean und die aufreizende Sexualität eines Elvis schienen Anfang der 60er Jahre wie Erinnerungen aus vergangenen und überwundenen Zeiten. Mit dem jugendlich-dynamischen Image John F. Kennedys verband sich die Hoffnung eines mehr oder minder konfliktfreien gesellschaftlichen Aufbruchs, den selbst die Kubakrise 1962 nicht erschüttern konnte. Im Gegenteil: Obwohl die Welt durch Kennedys Ultimatum wahrscheinlich nie näher am Rande des atomaren Infernos stand, schien das schnelle Einlenken der Sowjets die Bestätigung dafür, daß alles im richtigen Gleis war.
In der Hochzeit der Surfmusik zwischen 1961 und 1963 repräsentierte die Surfmusik eine konfliktfreie Utopie, die Möglichkeit einer Versöhnung von Individuum und Gesellschaft, von Gesellschaft und Natur, und zwar eine Versöhnung, die in der Tat, im Gegensatz zu späteren Hippie-Utopien, nichts Regressives an sich hatte.

Das Comeback
Zwischen 1965 und 1980 war Surfmusik praktisch tot. Ende der 1970er Jahre versuchte Surfmusik mit Punk zu verbinden. Erfolgreicher waren die von der Surfmusik beeinflussten Barracudas, deren Single Summer Fun es 1980 bis auf Platz 37 der britischen Charts schaffte.
AGENT ORANGE veröffentlichte 1981 drei Surfklassiker auf ihr Debut-Album „Living in Darkness“. Zur gleichen Zeit gründete PAUL JOHNSON, die Packards; JON AND THE NIGHTRIDERS betraten die Bühne, ROBERT DALLEY, heute einer der bedeutendsten Historiker der Surfmusikgeschichte, gründete die SURF RAIDERS, eine ganze Reihe weiterer Bands tauchten auf und verschwanden wieder.

Das Label Rhino Records veröffentlichte 1982 eine dreiteilige Serie von Samplern unter dem Titel The History of Surf Music. Während sich der erste Teil um die instrumentalen und der zweite Teil um die vokalen Hits der 1960er Jahre drehte, enthielt der dritte Teil, mit dem Untertitel The Revival, Surfbands aus den Jahren 1980 bis 1982. Keine der darauf enthaltenen Bands konnte jedoch einen nennenswerten Erfolg verbuchen. Dick Dale nutzte dieses Revival für ein Comeback und veröffentlichte 1983 nach langer Zeit ein neues Album.

Das sporadische Aufflackern wurde dann in den 90er Jahren zu einem Steppenbrand, als QUENTIN TARANTINO eine Reihe von Surfstücken für den Soundtrack von Pulp Fiction verwandte. Im Jahr 1992 gründete sich die Band „Man or Astro-man?“ und griff den instrumentalen Rock ‚n‘ Roll wieder auf. Die Band bezeichnete ihre Musik selbst als „Space-age Surf“. Etwas unbekannter hingegen blieben Bands wie die Mermen, Laika & The Cosmonauts oder Shadowy Man on a Shadowy Planet.

Dr.Dick (Radio Shanty-Town) [ao]

Die ersten 3 Teile der History gibt es in unserem Artikelarchiv November '09, Dezember '09 und Januar '10.

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