Donnerstag, 29. Juli 2010
Im Osten nichts Neues
Lokales
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„Im Osten nichts Neues ...?“ - Ausstellungseröffnung im Foyer der Händelhalle am 10.12.2009

Sachsen-Anhalt gilt in erster Linie als eine Region, die gezeichnet ist von den Folgen abrupter Deindustrialisierung, hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Im Gegenzug werden immer mehr Anstrengungen unternommen, sich deutschland- und europaweit kulturell und wirtschaftlich zu etablieren. Gerade junge Menschen in Sachsen-Anhalt gelten als Triebfeder künftiger Entwicklungen, stehen jedoch hinsichtlich ihrer Visionen, Ressourcen und Bedarfe kaum im Fokus der öffentlichen Beobachtung.

In den letzten Monaten realisierte das Bildungsnetzwerk Magdeburg das Projekt „Im Osten nichts Neues ...?“.
Entstanden sind Fotografien und Interviews mit jungen Menschen Sachsen-Anhalts. Die Arbeitsergebnisse werden ab dem 10.12.2009 im Rahmen einer Ausstellung sowie in einem Katalog im Foyer der Händelhalle präsentiert.

Insgesamt wurden mehr als 30 unterschiedliche Protagonisten porträtiert und befragt (verschiedene Bildungshintergründe, Wohnorte, Engagements, Perspektiven).
Ziel war es, ein möglichst differenziertes Bild von jungen Menschen der Region zu entwerfen, Stereotype aufzugreifen und zu hinterfragen, einem oft negativ diskutierten und wahrgenommenen Landstrich differenzierter zu begegnen, in dem sich die Jugend der Region zu Wort meldet, authentische Sichtweisen und Bedürfnisse artikuliert.

“Im Osten nichts Neues …?” verfolgt darüber hinaus das Anliegen, die Vielfalt Sachsen-Anhalts vor dem Hintergrund aktueller jugendspezifischer Entwicklungen, Phänomene und Tendenzen zu repräsentieren.
Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, wurde die Arbeit daher durch Interviews/Aussagen von verschiedenen Experten vervollständigt bzw. abgerundet, welche mit sozialen Problemlagen, Realitäten, Besonderheiten der Region vertraut sind (Themen: Abwanderung, politische Partizipation, Rechtsextremismus, Hochschullandschaft, Wirtschaftswachstum, Medienberichterstattung, Schulabsenz,  Jugenddelinquenz).

Interviewpartner waren u.a. Herr Prof. Dr. Holtmann, Herr Prof. Dr. Bussmann, Frau Prof. Dr. Wuschig.

Die Projektleitung lag in den Händen von Franziska Schramm, Bildungsreferentin der Bildungsnetzwerk Magdeburg gGmbH.
Begleitet wurde das Vorhaben durch Chiara Nacchia (Italien) und Anna Kyaramyan (Armenien) im Rahmen des EU-Aktionsprogramms JUGEND (European Volunteer Service) sowie durch Johannes Hoffmann (Deutschland).
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Ein kleiner Auszug aus den Porträts einiger Protagonisten:

ImOstenNichtsNeues-CircularFlash.jpgMathias a.k.a. Elastic (Circular Flash, Breakdance-Crew, Halle)
Die HipHop-Szene in Halle hat sich natürlich entwickelt. Das ist Ende der 90er, Anfang 2000 anders gewesen als jetzt. Die erste Generation war zu der Zeit schon ziemlich zusammen gewachsen. Meiner Meinung nach hat Halle es ein bisschen verpasst, die jüngere Generation mit rein zu nehmen und mehr Förderarbeit zu leisten. Wir haben das in vielerlei Hinsicht versucht, aber ich denke, wir sind ein bisschen gescheitert. Es ist mittlerweile auch recht schwierig, Jugendliche zu animieren. Das ist so ein ganz komischer Kreislauf.

Allgemein fällt mir auf – und das ist ein allgemeines Ostding - dass alle ziemlich unzufrieden sind mit ihrer Situation und das auch irgendwie nach außen tragen. Ich würde mir schon wünschen, dass die Leute wieder ein bisschen mehr zu lachen haben. Ich denke, dass wir hier einen ganz großen Vorteil haben. Wir sind Mitteldeutschland und logistisch gesehen ein zentraler Punkt, von dem in Zukunft viel ausgehen wird. Wir werden nicht unwichtig sein für Deutschland. Ich denke wir werden der neue Ruhrpott werden. Das ist vielleicht auch so ein Traum, aber dahin wird es sicher gehen.

ImOstenNichtsNeues-MBC.jpgMira (DJane, Lanetic-Crew, Berlin)
Es ist auf jeden Fall schön, das zu beobachten, weil wir zwischenzeitlich immer das Gefühl hatten, dass überhaupt nichts nachwächst, was sich sehen lassen kann. Durch die Studenten wird es wahrscheinlich auch immer irgendwas geben. Aber dass sich eine Szene entwickelt, auf die jeder guckt aus anderen Städten, das kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Wir haben zwar die Burg und die Uni, da kommen viele kreative Leute, aber die gehen halt auch alle wieder weg. Sicher wäre manches ausbaufähig, aber viele Projekte scheitern einfach an diesem typisch provinziellen Denken.

ImOstenNichtsNeues-Dessau.jpgJens (Von der Rolle e.V., Dessau-Roßlau)
Sie sehen die Abwanderung, aber wir sind der Meinung, dass es nicht besser wird, wenn man nichts riskiert. Für die nachwachsende Generation wünsche ich mir, dass sie das, was wir gemacht haben, irgendwie weiter verfolgen und pflegen. Das klingt vielleicht ein bisschen spießig, aber dass das, was wir irgendwie geschaffen haben, seine Substanz behält und nicht verloren geht.

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