Samstag, 19. Mai 2012
Interview Grafstroem
Interview_Logo-ROBOARTSTROEM.jpgGrafstrøm war in den 1920er Jahren ein Name der wie kein zweiter mit dem Eiskunstlauf verbunden war. Inzwischen sind zwei Herren musikalisch in die Fußstapfen des Meisters der eingesprungenen Sitzpirouette geradezu geflogen und haben sich dem Zwickelelektro-Fun-Pop mit treibender Quietschästhetik verschrieben. Was aber hat Eiskunstlauf und eingesprungene Pirouette mit Pop zu tun, was macht fun aus und wie kam es zu all dem ...

Wie ist denn Grafstrøm entstanden?
Jan: Oli hatte immer schon die Idee, mit musikalischen Kommilitonen eine CD aufzunehmen. 2008 kam es dann zur Zusammenarbeit zwischen ihm und mir, woraus dann GRAFSTRØM resultierte.

Wie ist euch denn der Name eingefallen?
Jan: Wenn man eine Band gründet steht man immer vor der schwierigen Aufgabe dem Ganzen den passenden Namen zu geben. Da wir dabei recht einfallslos waren, wurde die Aufgabe an einen Freund abgegeben. Er kam dann mit einer Liste bestehend aus Wikipedia Zufallssuchbegriffen. Ganz am Anfang stand „Gillis GRAFSTRÖM“. Der Name und die Geschichte dahinter waren für uns absolut passend.

Und wie kann man auf einer normalen Tastatur ein o mit Schrägstrich schreiben?
Tja, das erfordert meist einen kleinen Umweg. Das Problem lässt sich auf unterschiedliche Weise lösen. Hier zwei Ansätze:
1. bei Google „grafstroem“ eingeben / unsere Myspace-Seite finden / Bandnamen oder nur das Ø kopieren, fertig.
2. OpenOffice oder Word öffnen / auf Einfügen Sonderzeichen oder Symbol / das Ø auswählen, fertig.

Wo würdet ihr euch musikalisch einordnen?
Jan: Gut, das ist immer schwierig zu sagen. Wir machen hauptsächlich elektronische Musik, also „Electro“. Dann gibt’s auch Indie Anleihen, also auch „Indie“. Dann sind wir auch ein bisschen poppig und punkig. Man könnte also insgesamt „Indietronic“ dazu sagen.

Was sind eure Vorbilder?
Vorbilder gibt es bei uns viele. In der Musik kommen sie aus den unterschiedlichsten Richtungen. Im Eiskunstlauf sind es klar Gillis Grafstrøm und Katharina Witt.

Interview_Grafstroem_DSC5357_neu.jpgWarum habt ihr kein Schlagzeug?
Oli: Hauptsächlich war unsere Musik von Beginn an auf Elektrobeats ausgelegt, was sich aus dem ersten Experimenten mit Gitarre, Bass und PC ergeben hat. Stück für Stück kamen dann die Ideen mit schrägen Samples dazu (beispielsweise mit dem Game Boy) und die Musik wurde mit unterschiedlichen Electrosounds zusammengebracht.
Jan: Klar haben wir uns auch überlegt, wie das Ganze mit einem richtigen Schlagzeug klingen würde, jedoch war in unserem späteren Proberaum einfach kein Platz dafür.


Wer ist bei euch für die Texte verantwortlich und wer für die Musik?
Oli: Das texten lag mir noch nie besonders, ich hab das bei vergangenen oder eigenen Musikprojekten immer mal versucht – egal ob auf Deutsch oder Englisch, die Ergebnisse waren für mich meistens einfach nur unbefriedigend.  Der Jan hat da ein feines Gespür dafür, das kann ich gerne abgeben.
Jan: Deshalb hab ich mich der Texterei angenommen, weil ich da einfach große Lust drauf hatte und es immer viel zu sagen gibt. Die Musik wiederum entsteht bei uns gemeinsam, wobei ich oft mit Ideefragmenten in den Proberaum komme aus denen dann Grafstrømsongs gebastelt werden.

Wie kommt du dann auf die Themen die ihr besingt?
Jan: Die Themen entstammen meinem Alltag und sind Dinge die mich beschäftigen. Mal sind sie gesellschafts- oder medienkritisch, mal sind sie mit Ironie gespickt. Manchmal kann aus nur einem Wort ein ganzer Songtext entstehen.

Gibt es schon Tonträger von euch?
Oli: Wir haben im vergangenen Jahr eine kleine EP in Eigenregie in Jans (Wohn)Heimstudio produziert. Als unser erstes Werk haben wir sie passend „Ouvertüre“ genannt. Die Restbestände dieser „Miniauflage“ werden nun noch auf unseren nächsten Konzerten vergeben.

Habt ihr da gerade was in Planung?
Jan: Im Januar haben wir einen Vertrag für eine EP mit dem Label „Petite Unique Records“ unterschrieben und sind jetzt momentan dabei die Songs aufzunehmen. Ein Album ist zwar nicht direkt geplant, wird aber sicherlich auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Wie ist es für euch auf einer Bühne zu stehen?
Oli: Grafstrøm-Konzerte zu spielen ist toll. Das hängt wohl mit der bisherigen Erfahrung zusammen, dass uns viele Leute ein sichtliches Feedback geben und zu der Musik fleißig tanzen und feiern, obwohl uns viele ja bis dahin noch nie gehört haben. Mir macht ebenfalls die Mischung aus Stücken bei denen ich Gitarre spiele und bei anderen auf dem Synthesizer werkel viel Freude.
Jan: Für mich ist es das größte, die eigene Musik vor Publikum zu präsentieren. Man bekommt dabei ein Hochgefühl das bis zur Ekstase reicht. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie die Leute auf den Sound und die Songs reagieren.

Interview_Grafstroem-Kabel.jpgWie hoch ist der Anspruch an euch selbst bei Konzerten?
Oli: Es ist jetzt nicht so, dass wir uns vor Konzerten gegenseitig einen Schlachtruf zurufen, um uns Motivation einzutrichtern. Erstmal haben wir immer Spaß daran, Konzerte zu spielen… der Spaß steigert sich zudem, wenn die Leute mitmachen. Und dann sollte auch der Sound auf der Bühne und beim Publikum stimmen.
Jan: Ich halte mich da klar an die Regel: “Du bist immer so gut wie dein letztes Konzert“. Deshalb versuche ich immer „alles“ zu geben, damit der Funke auch überspringt. Und wenn dazu der Sound noch richtig gut ist, macht es doppelt Spaß.

In welchen Locations spielt ihr am liebsten?
Oli: Wir hatten im vergangenen Jahr die unterschiedlichsten locations, von einer supersympathischen Stadtfest-Bühne, dem abgefahrenen Wiesenauftritt bei den Räubertagen in Dresden bis zur gutgefüllten Moritzbastei (Tonne) in Leipzig… was bleibt, sind die Erinnerungen an die tollen Menschen und die ganze Stimmung bei so einem Gig oder einem Konzertwochenende. Das ist es auch, was Konzerte spielen so großartig macht!
Jan: Ja deshalb kann man gar nicht genau sagen, in welchen locations wir am liebsten spielen. Es muss einfach alles passen, quasi die Chemie stimmen. Da kann dann sogar ein Konzert wie bei der Fete de la Musique auf der Straße in einem Mini Pavillon richtig abgehen.

Was habt ihr musikalisch noch so vor?
Oli: Ich habe vor, mein musikalisches „Know-How“ noch ein wenig  zu verbessern, vielleicht lerne ich ja sogar mal, nach Noten zu spielen oder bringe mir ein paar Jazzgriffe bei. Da wir beide viele verschiedene Musikrichtungen mögen, kann es sogar gut sein, das wir in Zukunft mal was ganz anderes machen… wir werden sehen.
Jan: Wir versuchen auch den Grafstrømsound noch mehr auszufeilen und zu verbessern. Vielleicht kommen wir sogar weg von Samples hin zu komplett live arrangiertem, elektronischem Material.

Wo seht ihr euch in sagen wir 10 Jahren?
Oli: Die selbstgemachte Musik begleitet mich schon seit ich 17 bin, daher werde ich wohl auch in 10 Jahren nicht darauf verzichten können, irgendwelche Arten von Musik zu machen.
GRAFSTRØM  ist für mich das zielstrebigste und spannendste Projekt, daher wäre es schön, wenn wir unsere Motivation und Begeisterung für das gemeinsame Projekt noch lange behalten!
Jan: Ja dem kann ich mich nur anschließen. Musik machen begleitet mich auch schon mein ganzes Leben und wird daher immer ein Teil von mir sein. Aber mich würde jetzt schon interessieren, wo ich in 10 Jahren bin!?

Abschließende Worte?
Let there be STRØM!

Danke! Und wer sein persönliches Bild von Grafstrøm und Indietronic abrunden möchte, dem sei an dieser Stelle die MySpace Seite ans Herz gelegt, oder aber die live performance beim nächsten rough and ready Radiokonzert  am 16. April um 23.00 Uhr im plan3 und auf Corax 95,9 FM.

MySpace: grafstroem
[cs]

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