Samstag, 19. Mai 2012
Interview Mountbrocken
Interview_IMG_8576.jpg
Eine Band die  zwar existiert aber nicht unter einem festen Namen, mal spontan bei diversen Studentenaktionen, oder einfach auf offener Straße spielt. Sie könnten Zipfelmütze, Backenbart, Zierfischleiste oder anders heißen; im Moment und exclusiv für diese Ausgabe und das am 06.11. folgende „rough & ready“ Radiokonzert haben sie sich Mountbrocken getauft und stehen hier Rede und Antwort ... 

Momentan heißt ihr ja Mountbrocken, allerdings wechselt ihr euren Namen bei jedem Auftritt gibt es dafür besondere Gründe?
Es gibt soviele wunderschöne Namen, jeden Tag fliegen uns neue zu. Warum also nich alle nutzen? Außerdem nervt mich das, dieser Hype um Namen. Dann wird die Band unter dem Namen berühmt und alle sagen: „Oh ja, „blabla“ spielen heute, da muss ich hin“ oder „das neue Album von „blabla“ ist aber echt beschissen.“ Wir wollen uns da raushalten und die Vielfalt ausprobieren. Vielleicht passen wir uns aber auch an und haben in 30 Jahren einen Namen, inchallah.

Seid ihr in eurer Besetzung ebenfalls spontan?
Nein,die ist jetzt fest. Den harten Kern bilden der Drummer, der Basser/Gitarrist und ich (Gitarre/Bass). Unser Sänger bzw. Vortänzer ist durchschnittlich bei jedem 2. Konzert dabei. Aber wir haben vor, die Instrumente öfters zu wechseln, jeder darf alles spielen. So wie bei den Zitronen.

Wie lange gibt es euch denn schon in der jetzigen Besetzung, und wie habt ihr zueinander gefunden?
Uns gibt es jetzt so ein Jahr mit einem halben Jahr Pause dazwischen. Also wir haben Oktober 2009 einen Auftritt gehabt, der eher eine Performance war und den nächsten dann im Frühjahr. Den Drummer und den Sänger kenne ich aus den Zeiten, wo ich bei 206 gespielt habe. Bei einer 206-Tour letztes Jahr (da war ich schon nicht mehr dabei), kam die Idee, zusammen was zu machen. Ein paar Wochen später hat der Bassist den Drummer bei einem Action Beat Konzert gefragt, ob er jemanden kennt, mit dem er Musik machen kann und der Drummer hat geasgt: „Klar,mich.“ So kam das.

Wie würdet ihr selbst eure Musik beschreiben?
Postschrott und Krishnapunk. Also Postpunkgedöns, schöner Popschrott, manchmal ziemlich schnell, hart und laut oft aber auch getragen mit mantra-artigen spirituellem Gesang und Gewimmere.

Wo liegen eure musikalischen Wurzeln?
Im Punk, für mich speziell Ostpunk vor ‘89, aber auch alle andere gute Musik. Heinrich Schütz zum Beispiel. Hippiemusik war auch geil.

Warum macht ihr Musik?
Aus Überlebensgründen. Sonst würde ich sterben oder so. In der heutigen Zeit fliegen dir so extrem viele Informationen um die Rübe, dass du entweder Alkoholiker, Workoholic, Depressiver oder Krebskranker wirst. Oder Hooligan. Oder du bekommst die Erleuchtung. Musik ist für mich jedenfalls ein Ausdruck der vielen Eindrücke dieser Welt. Und es ist auch schön, auf der Bühne zu stehen, Energie zu geben und zu empfangen. Da geht nicht viel drüber.

Würdet ihr euch als politische Band bezeichnen?
Klar sind wir politisch, aber weitestgehend unabhängig von diesen klassischen links-rechts-Schemata. Anarchismus bzw. das Libertäre muss gelebt werden, ich will da keinen mit meiner Meinung missionieren. Deswegen kann ich auch keine politischen Texte leiden. Aber das sich was ändern muss in dieser neoliberalen Weltordnung, und zwar ziemlich radikal, das ist ja wohl klar wie Kloßbrühe. Feindbilder pflegen bringt da nicht viel weiter, wir sind alle Menschen und müssen irgendwie miteinander klarkommen.

Wie kommt es, dass ihr euch ab und an spontan entschließt Konzerte auf einer Strasse oder anderen öffentlichen Plätzen zu spielen?
Dass, was ich eben schon sagte, Anarchie muss gelebt werden. Also mal schnell auf der Strasse spielen bis die Staatsmacht kommt und dann auf zum nächsten Auftrittsort. Außerdem ist es gesund, an frischer Luft zu spielen.

Gibt es schon Tonträger von euch, oder kann man euch in den Tiefen des Internet finden um euch zu hören?
Bei den MySpace-Ärschen gibt’s was: myspace.com/nepopband. Wir haben auch schon richtig schlechte Aufnahmen, die klingen schön doom-mäßig,sonst aber auch nichts. Nächste Woche nehmen wir mal 3,4 Lieder auf. Natürlich auf Tape.

Was sind eure nächsten Ziele als Band?
Heiraten, Kinder kriegen, die Band auflösen. Nee, wir wollen ein bissel üben, dass wir noch besser werden, hehe. Und nette Konzerte. Wir haben jetzt im Sommer in Odessa gespielt, der Orga-Typ hat uns eine Ukraine-Tour angeboten, das werden wir bald mal machen. Da drüben können die Leute wenigstens noch feiern. Da ist Postsozialismus statt Postmoderne angesagt.

Wird es irgendwann einen Namen geben?
Das weiß nur Allah.

Wo seht ihr euch selbst in sagen wir 5 Jahren?
Das weiß nur die Große Mutter. Entweder wir sind tot oder wir leben noch.

Wann sieht man euch das nächste Mal live?
Am 22. Dezember mit den TV Buddhas aus Israel wahrscheinlich im Hühnermanhattan. Oder mal spontan vor deiner Haustür.Nachts halb vier.

Abschließende Worte? 
Rülps.

Wer also Postschrott Krishnapunk und schönen Popschrott zu seinen favorisierten Musikrichtungen zählt, der sei herzlich willkommen bei „rough & ready“ am 06.11. ab 21:00 Uhr im plan3/Ex La Bim, oder hört ab 22:30 Uhr Radio CORAX (95.9 FM). [cs]

trenner-artikel.gif

 
 
powered by:

Slideshow


Rough and Ready Flyer