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Samstag, 19. Mai 2012
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Interview

Neun Welten waren seit langer Zeit ein Geheimtipp, wenn es darum ging die Melancholie und Schönheit eines herbstlich-winterlichen Waldspaziergangs in Musik zu fassen. Mit ihrem zweiten Album „Destrunken“ kehrt die Band aus Halle/Leipzig endlich zurück und zeigen was es heißt, die Einsamkeit der Natur zu preisen. Aus diesem Grund sprach ich mit Schlagzeuger Marten Winter über die Geheimnisse ihres mystischen Naturfolks und dessen Umsetzung.
Wie würdet Ihr selbst Euren Stil beschreiben?
Eine schwierige Frage, aufgrund unserer persönlichen musikalischen Neigungen fließen Elemente aus dem Folk, Post Metal, progressiven Rock aber auch der Klassik zusammen. Am Ende ist es vielleicht so was wie mystischer Naturfolk.
Wie entstehen Eure Songs? Wie beim ersten Album im Wald?
Im Kopf vielleicht. Aber eigentlich ist es wie bei vielen anderen Bands. Meistens kommt einer von uns mit einer Grundidee, also z.B. einer Gitarrenmelodie oder die der Geige, die wir dann gemeinsam weiterverfolgen und die Lieder dann weiter ausbauen. Außerdem gibt es meistens zu diesen Melodieideen auch schon bestimmte Grundstimmungen, die das Lied haben soll und die wir dann versuchen zu vertiefen und musikalisch umzusetzen. Häufig ist es ein Prozess, an dem wir alle beteiligt sind und in welchem wir die Lieder gemeinsam weiterentwickeln. Daher entwickelt sich manchmal aber auch aus einer Ursprungsidee etwas komplett anderes.
Nach welchen Kriterien habt Ihr die Lieder auf der Platte ausgesucht?
Für dieses Album nahmen wir uns bewusst viel Zeit und pausierten vom Live-Spiel, um uns intensiv und auch kontinuierlich mit dem neuen Liedmaterial auseinandersetzen zu können. Wir haben noch stärker als bei „Vergessene Pfade“ das Konzept für die CD beim Komponieren und Produzieren in den Vordergrund gestellt. Alle Lieder sind in einem mehr oder weniger konsistenten Prozess in Bezug auf Atmosphäre und Emotion und von Beginn an mit der Intention entstanden sie auf „Destrunken“ zu veröffentlichen. Daher sind alle Lieder, die wir vollends komponiert haben auch auf dem Album. Natürlich gibt es auch einzelne Songideen, die gar nicht erst für das neue Album weiterverfolgt wurden. Die Auswahl fand demnach schon zu Beginn des Kompositionsprozesses statt.
Wie hat sich Eure Musik im Vergleich zur letzten Platte „Vergessene Pfade“ entwickelt?
„Destrunken“ ist auf jeden Fall melancholischer und vielschichtiger geworden. Wie es sich bereits mit Liedern wie „Auf kargem Fels“ von der „Vergessenen Pfade“ ankündigte, ist unsere Musik nunmehr weniger von zum Teil beschwingten, folkigen oder tänzerischen Melodien gekennzeichnet wie bspw. noch bei „Midsommer“. Die neuen Lieder sind persönlicher, intimer, introvertierter, und weisen eine zum Teil auch düstere, geheimnisvollere aber auch bedrohlichere Atmosphäre auf.
Wo habt Ihr Euer Album aufgenommen?
Wie auch die beiden Male zuvor waren wir im StudioE von Markus Stock (Empyrium, The Vision Bleak) und haben aber diesmal den Mix und das Mastering in einem Leipziger Studio dem „fwl Studio“ (Kai Mäder) gemacht.
Welches ist Euer Lieblingslied?
Das sieht jeder evtl. etwas anders. Mein Favorit ist „Ewig’ Ruh“, ein unglaublich emotionales und bewegendes Streicherstück. Gemacht für den Soundtrack des Dramas unseres Lebens.
Wer schreibt eigentlich Eure Texte?
Das variiert. Auf „Vergessene Pfade“ hat z.B. Skoll von Kallenheim (Wandar) Texte geschrieben, auf dem neuen Album kamen so gut wie alle Texte aus der Feder von Meinolf .
Ihr habt ein fantastisches Coveratwork, wer hat es gemacht und wie kamt Ihr dazu?
D ie wahrlich fantastische grafische Gestaltung des Artworks stammt von Fursy Teyssier (Les Discretes, Alcest, Amesours). Wir haben Fursy anfänglich via Myspace kennengelernt, da wir gegenseitig unsere Musik und künstlerische Arbeit sehr schätzen. Zusätzlich trafen wir uns (bzw. Aline) auch mal mit ihm auf einem Kurzfilmfestival in Potsdam (bei dem er den ersten Preis absahnte) und fragten ihn, ob er sich vorstellen könnte, das Artwork für unser neues Album anzufertigen und auch er war von der Idee angetan. Während des Entstehungsprozesses trafen sich Aline und Fursy ein weiteres Mal persönlich, um sich über unsere und seine Vorstellungen und groben Ideen auszutauschen; ansonsten verlief die Kommunikation und der Austausch via E-Mail und Fursy hatte bei der Gestaltung des Artworks völlig freie Hand. Ganz wichtig war dabei aber auch, dass er sich durch das Hören des Albums einen eigenen Eindruck machen konnte und uns seine Assoziationen mitteilte. Er hat wirklich unglaubliche Arbeit geleistet und es war eine sehr bereichernde Zusammenarbeit mit ihm. Wir waren davon sehr begeistert, wie gut er unser Konzept letztlich graphisch umzusetzen vermochte!
Wie setzt Ihr Eure Liebe zur Natur in der Gegenwart um?
Naturerleben ist natürlich in vielen Großstädten oftmals stärker begrenzt, aber nicht unmöglich. Zudem gibt es genügend Möglichkeiten sich auch als Stadtmensch in die Natur zu begeben, wenn dies dem eigenen Lebensstil und dem Drang entspricht. Auch in unseren Wohnorten, Halle und Leipzig, kann man schöne Naturgebiete entdecken. Wir gehen auch oft in die Natur, einfach nur zum Wandern oder ein paar von uns auch für längere Touren. Dabei sind häufig unsere Freunde dabei, die ähnliche Interessen haben und die ihre Freude am Naturerleben mit uns teilen sowie zum Teil auch durch Musik ausdrücken.
Eure momentanen Lieblingskünstler/-alben?
Auch das wieder subjektiv. Ich höre gerade „Austere“ – Isolation und die Geneva von „Russian Circles“.
Spielt Ihr lieber in Klubs oder auf Festivals?
Da haben wir keine Vorlieben. Beides hat seine Reize, Vor- und Nachteile, obwohl das Erlebnis für die Hörer sicher in einem intimeren Rahmen intensiver sein kann, muss aber nicht.
Wie sieht es mit den Liveauftritten 2010 aus?
Wir planen noch, aber es gibt noch nix konkretes.
Highlights im Leben von Neun Welten?
Natürlich der Plattenvertrag mit Prophecy, unsere eigenen Alben in den Händen zu halten, viele schöne Auftritte, wie bspw. die Prophecy-Konzertnacht 2006 und die Touren mit Dornenreich und Tenhi 2007.
Teile von Euch entstammen aus dem Schwarzmetall, wie vereint sich das mit folkloristischer Musik von Neun Welten?
Sehr gut. Beides hat ähnliche Ansätze Emotionen zu vermitteln: mittels Energie, Tiefe und Melodie. Die erdige Beziehung zur Natur und Geschichte ist auch eine Basis, die zum Teil geteilt wird. Musikalisch schließt sich das nicht aus, wie andere metallene Projekte und deren Trips in die Akustikgefilde ja eindrücklich gezeigt haben. Wir haben auch (wenn manchmal versteckt) Stilelemente der härteren Gangart in unseren Liedern.
Burger King oder Pizza Hut?
Weder noch, zu geringer Kosten/Nutzen Faktor.
Heavy Metal oder Black Metal?
Black Metal
Bier oder Wein?
Gute Frage!
Wald oder Meer?
Wald.
Halle oder Leipzig?
Halle :O)
Abschließende Worte?
Dank für Dein/Euer Interesse an unserer Musik …auf ewig Wald…
Webseite: www.neunwelten.com
MySpace: neunwelten
[kf]
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