Samstag, 19. Mai 2012
Radio CORAX April 2010

CORAX-Schnabellogo2.jpgufo-Universität erklärt sich mit Corax … befreundet!

Corax zu würdigen (nur darum geht’s hier) erkauft man sich mitnichten mit der Bestimmung des Radios-schlechthin als Medium der bzw. für Massen. Denn nicht dem Medium selbst obliegt es, dass es und wie es angewandt wird. Nur deshalb konnten sich neben Benjamin und Brecht auch Bronnen und Hitler für Radio begeistern. Wenn dieses solche Gegensätze erlaubt, scheint ihm also weder die emanzipatorische noch die massensuggestive bzw. -bindende, somit keinerlei Wirkung von Natur aus innewohnend. So wie wir im heutigen Nebeneinander von diversen Programmen wie Deutschlandradio Kultur, Radio Maria und dem Ausschaltknopf sehen: Erst Inhalt und Verfahren machen den Wert. Jetzt kann man streiten.

Aber nehmen wir die hundert Jahre alte Euphorie, wonach das Radio Demokratisierung schlechthin erzwinge. Von welcher Demokratisierung redet man, wenn vielen der hörende Zugang ermöglicht wird, aber nur eine Stimme spricht? Es scheint die (sich legitimierende) Begeisterung einer Herrschaft, das größtmögliche Publikum mit nur einer Stimme bzw. mit vereinten Stimmen zu agitieren. Möglichst konkurrenzlos. Begriffe wie offiziell Volksempfänger, vulgo Goebbelschnauze entstammen dieser zu vorderst politischen Indienstnahme, wie juristisch betrachtet die rigide Handhabe über des Hören fremder Sender vor 20+ Jahren. Die vox populi, die sich angeblich im Radio artikuliere, steht somit eher für die monologisierenden, herrschaftsaffinen Gemeinplätze und ein erhofftes Ziel: ein darüber geeintes Publikum. Es geht mitnichten um eine Vielzahl, mitnichten um sich streitende und austauschende Geister. Wie eh und je: Sendefrequenz ist Macht, ist zugeteilt – es wird schon seine Gründe haben.

CORAX_ufo-bunt.jpgZwar nicht praktisch, aber technisch ist die Anlage des Radios demokratisch(er). So hat man zu dessen Inhalten Zugriff auch ohne Schlüsselkulturtechnik und Exzellenzbegabung, wie es ferner kein Alphabet braucht, braucht es auch keinen Druck, dessen Distrubution und Erwerb, es ist unmittelbar, grob gesprochen: kostenlos. Radio braucht nur Ohren, keine zwei befreiten Hände und Augen, somit auch keine freigeschundene Zeit. Und schließlich, wie Brecht und später Enzensberger feststellten, wird das Radio mit ein paar technischen Eingriffen – Schreckgespenst aller hegemonialen Monologe – vom Empfänger zum Sender.
 
Ein trockener Exkurs. Er schien uns nötig, um den außerordentlichen Wert von Corax für die ufo-Universität abzustecken: Corax ist als freies/befreites Radio für uns zum einen die Ermöglichung und zum anderen das konkrete Angebot der Bildung, Auseinandersetzung und ‚flachen’ Kommunikation. Corax erlaubt es, die auf den restlichen Sendefrequenzen uns hingeworfenen und als alternativlos vorgetragenden Bestimmungen unseres ökonomischen, politischen und privaten Alltags zu kontern. Es ist die nicht nur abstrakte, sondern ganz handfeste Chance, mit seiner Kritik nicht daheim versauern oder vereinsamen zu müssen, sondern diese öffentlich einem Für und Wider auszusetzen, eine andere Qualität der politischen Teilhabe bzw. Gegengewalt zu diskutieren, darüber zu informieren, sich zu organisieren. Die ufo-Universität braucht solche (raren) Angebote, wollen wir die Abgeschlossenheit einer Personengruppe, eines Raumes, eines Nachmittags überwinden und trotzdem noch die Wahl lassen, den Kanal zu zappen. Eine Überwindung, die eben nicht Halt macht vor einer impliziten Verpflichtung und Einübung auf durchgesetzte, aber nicht minder fragwürdige Strukturen. Corax ist für uns das erste Moment einer auch praktischen Emanzipation.

Danke. Corax ist unser Freund!

Webseite: www.ufo-unsiversitaet.de

[ufo-Universität]

 

trenner-artikel.gif

 
 
powered by:

Slideshow


Rough and Ready Flyer