Samstag, 19. Mai 2012
Shanty Town - Music Historys
The History of Rockabilly

ShantyTown-Logo.jpgRockabilly ist eine der Spielarten des Rock‘n‘Roll. Sie entstand Mitte der 50er Jahre, als junge Musiker in den amerikanischen Südstaaten den schwarzen Rhythm & Blues auf ihre Art und mit den ihnen vertrauten Instrumenten neu interpretierten. Da der Aufschwung dieser Musik, die zunächst keinen einheitlichen Namen hatte und zuweilen einfach unter Pop, Country oder sogar Rhythm & Blues eingeordnet wurde, nicht über die Grenzen der Südstaaten hinausging, versuchten einige Interpreten etwa ab 1956 den ländlichen Unterton dieses Stils abzuschütteln, um auch überregional Erfolg zu haben. Der Begriff Rockabilly setzte sich nur langsam durch und hatte zuerst einen selbstironischen Beigeschmack, denn die Assoziation mit Hillbilly (Landei, Hinterwäldler) betonte das Provinzielle, Ländliche dieser Musik. Populär und einem breiten Publikum bekannt wurde der Begriff erst im Zuge des Rockabilly Revivals Anfang der 80er Jahre.

Seit Ende der 40er Jahre brodelte in der weißen amerikanischen Mittelschicht eine Jugendprotestkultur, die sich zunächst über weiche Drogen und die Literatur der Beat Generation definierte. Auch Bücher wie „Catcher in the Rye“ erlangten Kultstatus bei den Jugendlichen, weil sie erstmals ein speziell „jugendliches“ Lebensgefühl beschrieben, in dem die gängige Moral als eng und störend empfunden wurde. Eine einheitliche Jugendmusik fehlte jedoch zunächst noch. Die Anhänger der Beat Literatur bevorzugten den Bebop-Jazz, ansonsten war das heimliche Hören der schwarzen Radiostationen, deren Ghettomusik sexuell eindeutige Themen transportierte, ein weit verbreiteter Akt der Rebellion gegen die Eltern.

Vor allem bei den Jugendlichen sah Sam Phillips eine Marktlücke für seine Idee einer neuen, schwarz-weißen „Pop“ Musik zu etablieren. Der junge Elvis Presley, ab 1954 bei Sun Records, diente ihm dabei (neben Anderen) als Verbindungselement beider Musikhemisphären, denn er hatte, entgegen seiner Hautfarbe, einen guten Schuss Gospel und Rhythm & Blues in der Stimme. Es ist außerdem nicht unwahrscheinlich, dass auch der junge Elvis Presley, der sich Koteletten wachsen ließ, um älter zu wirken, die schwarzen Clubs in der Beale Street von innen kannte, wo Bluesmusiker mit ekstatischen, epileptischen Bewegungen das Publikum in Rage versetzten (die in vielen Elvis Biografien zu lesende Version, dass Elvis seine provozierenden Hüftbewegungen als kleiner Junge in Tupelo gelernt haben soll, und zwar in der Kirche, scheint doch wohl eher eine bewusst gestreute Ente des Managements zu sein, um dem Vorwurf entgegenzutreten, "Musik des Teufels" zu produzieren).

Als erster Rockabillytitel der Geschichte gilt die 1954 bei Sun eingespielte Aufnahme „That’s alright Mama“ des 19jährigen Elvis Presley, zusammen mit Scotty Moore (Gitarre) und Bill Black (Bass), angeblich aus dem Mitschnitt einer Pausenspielerei entstanden. Bei der bläser- und schlagzeugfreien Sparbesetzung handelte es sich um eine typische weiße Countrybesetzung, die auf das konservative Reglement der Grand Ole Opry in Nashville zurückgeht, der wichtigsten Countryshow der USA.
In bewusster Abgrenzung zum damaligen Aufschwung der Swing und Big Band Musik wollte man hier die ‚gute alte Musik’ pflegen wie sie die Altvorderen der Country Musik vorgemacht hatten, wie etwa die Carter Family. Dementsprechend waren Schlagzeuge und Bläser auf der Bühne der Opry bis Mitte der 50er Jahre nicht zugelassen.
Um mit dieser ‚oprykompatiblen’ Besetzung trotzdem einen mitreißenden Rhythmus zu erzeugen, trat bei Sun Records der Kontrabass an die Stelle des Schlaginstruments. Bill Black spielte in der slapping-bass-Technik, eine im Dixieland Jazz entwickelte Spielweise, bei der die Saiten auf’s Griffbrett klatschen. Außerdem kompensierte ein Bandecho das fehlende Schlagzeug und erzeugte einen charakteristischen, im Takt blubbernden Groove. Dieser Echo Groove kennzeichnet vor allem den Sun Sound. Er wurde aber auch von anderen Rockabilly Interpreten eingesetzt, wie etwa von Gene Vincent, der damit sehr gekonnt seine Stimme unterstützte. Die Leadgitarre spielte sparsam gepickte, hohe Noten auf der zweiten Zählzeit des Taktes, sowie Boogielicks auf den Basssaiten. Gesungen wurde häufig in einem nervösen ‚Schluckauf Stil’, manchmal countryhaft nasal (Carl Perkins, Charlie Feathers), manchmal mit schwarzem Swing (Charlie Rich) oder sogar mit gospelhaften, schwarzen Verzierungen (Elvis).

Nach der Frühphase des Rockabilly hielt dann auch das Schlagzeug Einzug in die Musik, vielfach auch das Piano mit shuffleartigen Riffs in der linken Hand, nach Art des New Orleans Rhythm & Blues. Die bevorzugten Leadgitarren waren Archtopmodelle von Gibson oder Gretsch, später dann auch Massivholzgitarren wie die Fender Telecaster (Luther Perkins / git. von Johnny Cash), oder die Gibson Les Paul. Auch wenn die Titel von „Elvis, Scotty and Bill“ erstaunliche Verkaufserfolge in Memphis und Umgebung erzielten, seitdem sie im örtlichen Radio gespielt wurden, ist es wohl eher auf die spektakulären Liveauftritte zurückzuführen, dass diese neue Musik schnell zum Gesprächsthema wurde und die Rechnung von Sam Phillips aufging.

Die drei Musiker nannten sich bald The Bluemoon Boys und tourten ab 1954 allein oder zusammen mit anderen Sun-Musikern (Carl Perkins, Johnny Cash) durch den gesamten Süden, wo sie vor allem wegen der wilden Bühnenshows von Bill und Elvis Aufruhr, Hysterie und Empörung auslösten.
Die umstrittenen Auftritte entzündeten ein regelrechtes ‚Sun Sound Fieber’. Überall, wo die Sun-Leute gastierten, traten wenig später Interpreten ins teils kurze Rampenlicht, die häufig sehr eng am Vorbild orientierte Kopien des Sun Sounds lieferten. Wenige dieser Interpreten entwickelten individuelle Stile. Ein positives Beispiel hierfür ist Charles Hardin Holley, ein junger Countrymusiker aus Lubock, Texas, der 1956 in seinem Heimatort einen Auftritt von Presley sah und sich sofort eine elektrische Gitarre kaufte, um auf den neuen Stil umzuschwenken und unter dem Namen Buddy Holly Geschichte zu schreiben. Eddie Cochran ist hier ebenfalls zu nennen, und natürlich Gene Vincent, der einen eigenen, deutlich aggressiveren, urbaneren Rockabillystil entwickelte, in dem sogar manchmal Doo-Wop Elemente anklangen. Gene Vincents Gitarrist Cliff Gallup war außerdem stark vom virtuosen Jazz-Pop Gitarristen Lester Williams Polfus alias Les Paul beeinflusst und baute überraschende Harmoniewechsel, sowie technisch anspruchsvolle Licks in seine Soli ein.

Trotzdem gelang es dem Rockabilly nur selten, überregionale Hits hervorzubringen. Die provinzielle Note war zu stark, der Südstaatenakzent vieler Sänger unüberhörbar. Nach etwa drei Jahren verebbte der ‚Rockabilly Boom’ wieder und die meisten Interpreten wandten sich der traditionellen Country Musik zu.
 
...Fortsetzung im April 2009! [ao]

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