Montag, 6. Februar 2012
Shanty Town Radio Juli 2009
Dexter Younghearts „Northern Soul“ History / Teil 2

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...eher als ein „mit Übernehmen“ der Musik. Mit anderen Worten, die Liebe zur Soulmusik und ein exzessiver Kult des Tanzens sollten sich im Northern Soul fortsetzen. Die neuen Subkulturen sollten und haben auch einige Elemente der Mods übernommen.

Zu Beginn der 1970er Jahre entwickelte sich Soul in Richtung langsameren Modern Soul und Phillysound. Populär wurden Gitarrenbasierter Funk, Progressive Rock und Psychedelica. Während im trendbewussten London die Clubs sofort diese neuen Musikrichtungen aufsogen und spielten, tat sich das meist der Arbeiterklasse entstammende Publikum in den Clubs im Norden Englands (insbesondere in den Grafschaften Lancashire und Yorkshire) mit dieser Musik schwerer. Die nordenglischen Soulfans konnten sich mit der neueren schwarzen Tanzmusik nicht anfreunden und verwehrten sich gegen diese neuen Trends. Es bildete sich schnell eine Nische in einigen Clubs, wo man weiterhin die mehr vom Rhythm & Blues beeinflusste Soulmusik aus den 1960ern mit ihren Bläsergruppen und Backgroundchören spielte.

Diese Clubs wollten ihrem Publikum trotzdem „neue“ Musik bieten, so begannen sie verstärkt wenig bekannte Soulstücke zu spielen. Nach und nach sollten so die kommerziellen und bekannten Soultitel, an denen man sich sozusagen satt gehört hatte, fast vollständig aus dem Repertoire verschwinden.

Während der Soul-Ära der „60er“ war ein riesiges Potenzial an hervorragend ausgebildeten schwarzen Künstlern vorhanden. Schätzungsweise wurden in dieser Ära auf kleinen lokalen Labels 30.000 Soultitel produziert. Die kleinen Labels versuchten zwar meist erfolglos auf den engen nationalen Markt für Soulmusik zu drängen, der von den großen Plattenfirmen Motown, Stax, Atlantic und Capitol dominiert wurde. Sie veröffentlichten ihre Singles nur in geringen Stückzahlen, da den kleinen unabhängigen Labels aufgrund fehlender finanzieller Mittel für Werbung und einen eigenen landesweiten Vertrieb nichts anderes übrig blieb, als sich auf dem regionalen bzw. lokalen Markt zu behaupten. Nicht wenige Aufnahmen wurden sogar nur zu Promozwecken gepresst und blieben unveröffentlicht, weil sie ihre Kosten nicht wieder eingespielt hätten.

Einige dieser Labels schafften es mit ihren Produktionen in die unteren Regionen der damals von weißen Künstlern dominierten nationalen oder regionalen Charts und der schwarzen R&B-Charts. Die meisten davon gingen aber in der Masse der Veröffentlichungen unter und wurden nie im Radio gespielt. Somit erreichten diese Produktionen auch keine Hitparadenplatzierungen. Sie waren damals Flops, kommerziell gesehen.

Die kleinen Plattenfirmen entstammten überwiegend aus großen Städten wie Chicago, Detroit, New York, Philadelphia und Los Angeles. Ihren Sitz hatten sie meist in den schwarzen Ghettos. Deshalb wurde die Musik auch als Ghetto Soul bezeichnet. Dieser urbane Soul hob sich im Sound deutlich von den Produktionen der großen etablierten Labels ab. Die Produktionen eben jener großen Labels wurden oft an die Hörgewohnheiten eines weißen Mittelklasse-Publikums angepasst, damit die Titel C hart tauglicher waren. Das geht ganz einfach und funktioniert heute noch genauso - man bediene sich einfach an ein paar Streichern und lege sie hinter die Hauptspur.

Die  „Northern Soul“ Titel waren schneller und gut tanzbar. Sie zeichneten sich meist durch einen markanten, eingehenden Beat im 4/4-Takt mit einer Geschwindigkeit von ca. 125 BPM aus. Die Grundstimmung der Stücke war weitestgehend optimistisch. Sie klangen auch aufgrund ihrer puristischen Produktion viel rauer als die Musik der großen Labels und wirkten somit unverfälschter und authentischer.

Diese „so“ kommerziell gescheiterten Aufnahmen gerieten schnell in Vergessenheit. Eine Menge  Platten fristeten vergessen in Lagerhäusern, landeten in Second-Hand- oder Trödelläden. Glaubt man einigen Zeitzeugen, dann soll ein Teil der schweren Vinyl-Singles sogar als Schiffsballast verwendet wurden sein.

Um den steigenden Bedarf der Northern-Soul-Clubszene an raren Soulplatten weiterhin decken zu können, reisten DJs und Sammler in den frühen 1970ern in die USA, um dort weitere unbekannte Perlen dieser Musik aufzuspüren. Die Trödelhändler waren erleichtert, die schlecht verkäufliche Ware für ein paar Cents losgeworden zu sein, ohne zu wissen, dass diese in Großbritannien eines Tages für mehrere hundert Pfund pro Stück den Besitzer wechseln würden.

Mit der Zeit wurden die wiederentdeckten Singles immer obskurer. Das wohl rarste Northern-Soul-Label gilt Shrine aus Washington. Während der Rassenunruhen Mitte der 1960er Jahre wurde ein Großteil der Lagerbestände durch einen Brand im Gebäude der Firma vernichtet. Die wenigen, noch erhaltenen Kopien erzielen heute Rekordpreise.
Clubszene

Northern Soul fand schnell regen Zulauf und breitete sich später in ganz Großbritannien aus. Die Musik war exklusiv und vom Mainstream ungehört. Die Anhänger wollten sich von der Masse abheben und wirkten dabei für Außenstehende elitär. Aus der Liebe der nordenglischen Jugend zu alter Soulmusik und der aus der Not geborenen Sammelleidenschaft insbesondere von DJs hatte sich eine eigene Clubszene entwickelt, die diese Soulmusik feierte und zu ihr tanzte.

Fortsetzung im nächsten Monat! [ao]

Den ersten Teil der History gibt‘s HIER im Artikelarchiv Juni ‘09 zu lesen!

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