Nachdem wir uns im letzten Heft schon mit der Graffiti-Problematik auseinandergesetzt haben gibt es nun das Update für alle Interessierten. Leider müssen wir euch bezüglich des Interviews mit einem Szene-Insider auf die nächste Ausgabe vertrösten, was allerdings nicht heißen soll, dass ihr uns eure Sicht der Dinge nicht trotzdem mitteilenkönnt und zwar unter:
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Die „Junge Union“ ist nach ihrer Pressemitteilung wieder zur Tagesordnung übergegangen und hat, wie ich denke, zumindest das Gefühl in der Diskussion einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben. Peter Sodann ist immer noch stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Halle gegen Graffiti“, wird ja aber vielleicht demnächst Bundespräsident (was wir nicht hoffen wollen), und die Stadt hat sich im „Netzwerk gegen illegale Graffiti“ relativ breit aufgestellt und versucht mit ihren Partnern, zu nennen wären da fast sämtliche Hausverwaltungsunternehmen, die EVH, die deutsche Bahn, Schüler und Elternräte, die Bundespolizei und die Stadtsparkasse, einen Maßnahmenkatalog gegen Graffiti abzuarbeiten.
So weit so gut. Was an besagtem Netzwerk wieder einmal sehr stark ins Gewicht fällt ist die noch stärkere und striktere Kriminalisierung der Sprayerkultur, denn als Kultur oder besser Subkultur wird sie anscheinend nicht wahr genommen. Was in diesem Zusammenhang besonders ins Auge fiel waren die Tipps für Eltern um ihre Kinder als Sprayer zu enttarnen. Das wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten. Eltern und Lehrer sollten bei folgenden Verhaltensweisen der Jugendlichen aufmerksam werden:

Schulhefte/Zeichenunterlagen werden mit Wortkürzeln grafisch verziert oder Buchstaben wurden übermalt.
Ein eigenes Wort/Namenskürzel („Tag“) wird auf persönliche Gegenstände oder Wände im Umfeld gemalt.
Die Jugendlichen interessieren sich für Graffiti-Literatur und hören zumeist Hip-Hop-Musik.
Sie tragen vorzugsweise Hip-Hop- bzw. Skater-Mode (überweite Hosen, weite Oberbekleidung, Turnschuhe, Basecaps).
Es werden Ausdrücke aus der Graffiti-Szene benutzt.
Die Kleidung weist Farbgeruch oder Farbflecken auf.
Die Jugendlichen besitzen Graffiti-Utensilien, wie Skizzenbuch, Spraydosen, Stifte usw.
Das Ganze klingt mehr nach Vorsichtsmaßregeln für eine Kopfläuseepedemie und ist vermutlich wenig hilfreich, da man hier ja schon suggeriert, dass das arme Kind irgendwie infiziert ist vom Sprayervirus und möglichst schnell zu einer Art Sonderbehandlung verbracht werden muss. Da trösten inhaltlich auch die wieder einmal hervorgezogenen Allgemeinplätze, im Sinne von Verständnis zeigen und bewusst machen auf der „Was kann ich tun“ Seite, nicht über die eigentliche Grundaussage hinweg.
Es gibt aber auch durchaus Wissenswertes auf den Seiten zu finden, nicht nur eine Worterklärung von bestimmten Sprayerbegriffen (Wikipedia sei dank), sondern auch, und man mag es kaum glauben, ein paar Verhaltensregeln bei der Benutzung von Gleisanlagen. Hier für alle die es noch nicht wussten:

Ein Zug kann nicht ausweichen!
Der Bremsweg eines Zuges mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h kann bis zu 1 km betragen.
Auf zweigleisigen Strecken fahren Züge nicht automatisch auf der rechten Seite.
Weichenführungen sind für Laien meist unübersichtlich, wodurch der Fahrweg eines Zuges oft nicht eindeutig erkennbar ist.
Fahrgeräusche von Zügen werden bei starkem Wind oder durch verschneite Gleise oft erst zu spät wahrgenommen.
Durch den Sog eines vorbeifahrenden Zuges können Personen unter den Zug gerissen werden (insbesondere bei Tunneldurchfahrten).
In manchen Städten wird der Strom über eine Stromschiene unmittelbar am Gleisbett geführt. Bei Berührung der Stromabnehmer am Eisenbahnwaggon können lebensgefährliche Restspannungen übertragen werden.
Wie ich finde nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam und allem Anschein nach wirklich als Hinweis gemeint. Doch zurück zur eigentlichen Debatte, die wie es scheint immer mehr Raum einzunehmen droht. Was auch in diesem Netzwerk wieder sehr stark auffällt, ist die negative Herangehensweise an das vermeintliche Problem Sprayer. Vermeidungsstrategien und Strafe können nicht die Lösung sein. Warum nicht z.B. Chancen neuer Medien nutzen und eine öffentliche digitale Tagwand aufstellen auf der jeder, natürlich anonym, die Weiten des Netzes mit seinem Namen füllen kann. Also wer noch andere Ideen für glückliche und positive Lösungen hat bitte schreiben...
Bleibt stark! [cs]