History of Mod - Teil 4

Einhergehend mit der Mod - Attitüde ist nicht nur wichtig zu erwähnen, welche Kleidung, Haarschnitt und Accessoires der Mod für essentiell hält, auch gepflegte Umgangsformen, Höflichkeit und eine gewisse Dandyhafte Gefühlskälte gehören dazu, wobei der letzte Punkt heutzutage in die Mottenkiste der Altsünden verbannt wurde. Wenn heutzutage ein Haufen gutangezogener Mods in lautes Lachen ausbricht oder sich bewusst, um der Party willen, danebenbenimmt, dann ist das nicht mehr ein Fauxpas wie seinerzeit...
Eine weitere Abspaltung von den Mods sind die Scooterboys, welche sich primär für das Rollerfahren (und Bier) interessieren, den Kleidungsstil der Mods aber nicht übernommen haben. Man könnte sie, über den Daumen betrachtet, als Skinheads auf Rollern bezeichnen. Die Scooterszene setzt sich augenscheinlich aus den ganz harten Jungs zusammen, selbst gestandene Altrocker haben nach dem Beiwohnen auf einem Rollertreffen (für eingeweihte auch: scooterrun) geäußert, dass „ein Motorradtreffen dagegen rüberkommt, wie ein Kindergartenfest„.
Zum Rahmenprogramm eines ausgewachsenen Scooteruns gehört, neben Rollerfussball, Burnouts, Saufspielen und dem berüchtigten „Wheel of Kotze", immer ein anständiger Soulnighter, auf dem auch Skaklänge nicht verschmäht werden. Scooterboys sind treue Anhänger des Northern Soul.
Die 80er Jahre haben den Mods, wie schon erwähnt, ein Revival beschert. Dieses Revival hat dem Begriff Mod allerdings wiederum einen neuen Interpretationsrahmen gegeben. Die Kleidung, die Musik. Einiges hatte sich seit den 60ern weiterentwickelt und teilweise sehr verändert. Die Vermischung des ursprünglichen Stils mit Skin - und Punkattitüde war unübersehbar. Dies bewahrte die Szene aber auch davor, nachhaltig zu verstauben. Mods, die heutzutage den ganz klassischen Stil pflegen und den guten Anzug überstreifen, werden oft auch als Stylisten oder 60s Mods bezeichnet, sogar der Begriff Retro - Mod fiel schon. Obwohl rein sinngemäß die Wörter Modern und Retro nichts im gleichen Begriff zu suchen haben, scheint die Feststellung, dass es „Retros“ gibt, ein Dilemma auszulösen. Nämlich, dass eine Jugendbewegung, die sich einst dem Modernen und Zukunftsgerichteten verschrieben hat, jetzt konservativ, rückwärtsgewandt und romantisch sein könnte. Zudem kann man kaum noch von einer Jugendkultur sprechen (ich beschränke mich auf die Situation in Deutschland), wenn man sich die Altersstruktur der Szene mal genauer anschaut, dann wird einem bewusst, dass der Anteil der über - dreißig - Jährigen größer ist, als der vom frischen Blut, das nachkommt. Ob dies an der Abgrenzung der Szene nach außen oder an anderen Faktoren liegt, das ist die 64.000 Euro - frage. Sind die Mods überholt? Muss es das noch geben? Sind die Mods Dinosaurier, die der Evolution Tribut zollen müssen? wir werden sehen...
Die Modszene ist, wie schon erwähnt, heutzutage noch extrem rückwärtsgerichtet und althergebrachten Konventionen verpflichtet. Nur wenn sich die Szene an ihre ursprüngliche Intention erinnert, nämlich das durch und durch „Moderne“ in sich aufzunehmen, dann wird sie ihrem Anspruch gerecht. Wenn heutzutage gefragt wird: Was ist der Mod - Stil? Was ist der Mod - Sound? Dann werden zumeist alte Geschichten herangezogen, um Erklärungen zu liefern. Wenn nach Mod - Musik gefragt wird, werden alte Bands wie die Small Faces, The Who oder The Jam aufgeführt, obwohl das Thema noch viel zu bieten hat.
Es wird Zeit für eine Kurzdefinition. Wichtig zu wissen ist, dass es seinerzeit den Begriff Mod nicht gab, die Small Faces haben sich nicht zwangsläufig als Mods gesehen. Die Mods der 60er zumeist auch nicht. Die Musik, die angesagt war, wurde nicht Mod - Sound genannt. Alle Stile die damals als Hip bezeichnet wurden, alles was vereinnahmt wurde, egal ob Jazz, Bowlingschuhe oder Beathaarschnitte, haben im Endeffekt den Mod Style geprägt (und nicht umgekehrt). Dieser Prozess ist nicht beendet! Der so genannte Mod - Stil wird nicht zur Stagnation kommen, weil die wahren Hipster und Trendsetter innerhalb von Szenen, so auch in dieser Szene, sich nicht zum Rückschritt bekennen werden, sondern zu den modernen Zeiten, in denen sie leben.
Die Kurzdefinition lautet ganz einfach: MOD IST ALLES, WAS MODS MACHEN
Dem nachdenkenden Leser wird auffallen, dass der Begriff „Mod“ in dieser Definition beliebig ersetzbar ist, frei nach dem Motto: „Schwul ist alles, was Schwule machen" oder wahlweise „italienisch ist alles, was Italiener machen“. Das ist, obwohl die Definition immer noch völlig richtig ist, der Beweis dafür, dass der Begriff "Mod" eine leere Hülse ist (und somit die Definition langfristig zu einer blöden Karikatur verkommen könnte, wenn denn Inhaltslosigkeit herrschen würde), eine Hülse, welche wahlweise durch Tradition oder Fortschritt gefüllt werden kann. Die Interpretierbarkeit der Inhalte ist anscheinend sehr hoch, aber genau das ist es, worum es den aktiven Kräften (in jeder Szene) geht und gehen sollte. Je nachdem, womit man die Hülse füllt, ob mit echten Inhalten oder nur mit falscher Romantik, wird man entscheiden, ob die Definition hält und der Geist der Sache bestand hat.
Die modernen Zeiten
Beispiele für das Voranschreiten von Mod gibt es genug, das Mod Revival um 1980 herum ist nicht die letzte erwähnenswerte Station, denn Ende der 80er entstand (in Manchester) etwas, dass den Spirit der Mods aufgriff und ihn in ungeahnte Höhen katapultierte, man kann ohne Übertreibung behaupten, dass die 90er Jahre schon 1987 begannen... ich sage nur Rave. Ich sage nur Acid House!
Die Musik von englischen Bands wie Primal Scream, Happy Mondays, The Charlatans, James, Psychedelic Furs, Inspiral Carpets, The Stone Roses oder Spaceman 3 war durch und durch vom Geist der 60er beseelt. Unübersehbar von Mod beeinflusst, hat die Musik durch die neue und moderne Musikeinflüsse der 80er erst ihre Initialzündung erhalten. Nicht nur Garage, Psychedelic und progressive Rockmusik der 60er und 70er, sondern ebenso House, Garagehouse, Techno, HipHop, Dub und Electro haben untrüglich dazu beigetragen, den Sound der wohl bedeutendsten Bands der späten 80er bis frühen 90er zu formen.
Aus dieser Vermischung ist die vitalste und wichtigste Musik und Jugendkultur der 90er entstanden: Rave. Speziell in Deutschland haben wir aber von dem Facettenreichtum dieser Kultur sehr wenig mitbekommen, speziell Techno wurde hier frühzeitig extrem kommerzialisiert und eine Karikatur seiner selbst, besonders bewegende Beispiele dafür sind die (völlig unkommerzielle) Loveparade, die Mayday Raves, hochqualitäts - Technoclubs wie das Poison in Düsseldorf oder die unvergesslichen "Hits" von extrem talentierten DJ´s wie Maruscha, Kapellen wie Dune und 2 Unlimited oder Ausnahmesängerinnen wie Blümchen.
In the house: speziell zu Vocal House, Deep House und Garage House ist festzustellen, dass diese Spielarten der modernen elektronischen Musik definitiv die Fortführung von Soul sind. Northern Soul/ Rare Soul, ist im sinne der 60er in jedem Punkt
vergleichbar mit zeitgenössischer Housemusik; v.a. in Sachen Undergroundfaktor, Drogenkompartibilität, Tanzbarkeit und "seelenvollen" Vocals. Jeder House-DJ von Format weiß von alten Einflüssen zu berichten: Curtis Mayfield, Bobby Womack, James Brown, Deep Soul, Motown Soul, Funk, Kraftwerk, 80s Wave, Salsoul, Nuyorican Latin, Conga - Sessions, Ethno - Drumming, Human League, Grandmaster Flash, Afrika Bambataa, ESG, jamaikanische Rocksteady Klassiker... [ao]
...Fortsetzung im nächsten Monat!
Die ersten Teile der Story gibt es hier im Artikelarchiv zu lesen.